Die Altarplatte aus dem 13. Jahrhundert

Die Simon-Petrus-Kirche beherbergt als jüngster Kirchbau der Bremischen Evangelischen Kirche einen alten Schatz: Die mittelalterliche Altarplatte aus der Arster Muttergemeinde. Sie ist etwa 750 Jahre alt. In katholischer Zeit hatte sie als Platte des Altars in der Arster St. Johannes- Kirche ca. 2 km südlich an der niedersächsischen Landesgrenze gedient, in der Zeit der sogenannten '2. Reformation' um 1580, als Bremen von der lutherischen zur reformierten Konfession wechselte, ist sie abgebrochen und seitdem als Fußbodenplatte innerhalb des Chorraumes der Kirche benutzt worden(1). Bei Renovierungsarbeiten im Jahre 1966 ist sie aus der Kirche entfernt worden und als Tischplatte eines Steintisches im Garten des Arster Gemeindehauses in Gebrauch gewesen, bis sie schließlich 1995 dort abgebaut, gereinigt und nach Habenhausen gebracht wurde.
Die Altarplatte besteht aus einer rechteckigen Sandsteinplatte von 189,5 cm Länge und 111,1 cm Tiefe. Die Platte ist 15,5 cm dick und wiegt ca. 800 kg. Sie zeigt verschiedene Bearbeitungs- und Beschädigungsspuren, die aus unterschiedlichen Zeiten und Gründen herrühren.
Auf der Oberseite der Platte sind fünf Weihekreuze eingemeißelt. Sie zeigen einen Durchmesser von 13,2 cm, das mittlere von 14,2 cm. Sie sind nicht genau symmetrisch angebracht. In der katholischen Kirche ist es noch heute üblich, die Altäre mit vergleichbaren Kreuzen zu versehen. Bei der Weihe werden sie mit Öl begossen, das dann entzündet wird. Symbolisch werden die Weihekreuze gedeutet als die fünf Wunden Christi. Sie sind der stärkste Hinweis darauf, dass wir es wirklich mit einer Altarplatte aus katholischer Zeit zu tun haben. Die Reformation wurde in Bremen und damit auch in Arsten offiziell 1534 eingeführt. Die Altarplatte ist also älter, als dieses Datum.

Bremen ging im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts allmählich von der lutherischen zur reformierten Ausprägung der Reformation über. 1581 wurde der reformierte Theologieprofessor Christoph Pezel aus Hessen-Nassau nach Bremen berufen, um die Bremische Kirche neu zu ordnen. Es begann 'die Umgestaltung der Gottesdienste im reformierten Sinne...Die Hochaltäre und Bilder wurden aus den Kirchen entfernt.'(2) 1583 erschien bei Arent Wessel ein Traktat, in dem Pezel die Entfernung der 'hültzernen und ganz ungestalten bilder und götzen' rechtfertigte (3). Anscheinend fielen diesem obrigkeitlich verordneten Bildersturm nicht nur Heiligenbilder und Kruzifixe, sondern auch Altarschmuck, Flügelaltäre und Retabeln , ja sogar die steinernen Altarplatten selbst, zum Opfer. 1595 schreibt Pezel nämlich rückblickend im Consensus Bremensis: 'Nuhn haben...viel Evangelische Kirchen...die Altarn gentzlich abgeschafft und brauchen an derselben statt bequeme tisch, mit gewandt oder tuch bedeckt, die da für und für an einer stedte gelassen, und darauff das Abendtmahl zu gebührender Zeit ausgetheilet wird'(4). Ihm selber ist es aber recht, wenn nicht gleich der ganze Altar abgerissen wird: '(so) lassen wir ... als ein stück der christlichen freyheit sein, das man nach abthuung des götzenwercks, das Mauerwerk der Altarn, als einen steinern tisch in den kirchen gebrauche...'(5). In vielen Kirchen war es für diese Großzügigkeit zu spät. Die Altäre waren bereits abgetragen. So auch in Arsten.
Arsten gehörte damals zu den Kirchen des bremischen Landgebiets. Weltliche und kirchliche Obrigkeit war der Bremer Rat, der mit Pezel eng zusammenarbeitete. Höchstwahrscheinlich hat man im Lauf der Jahre zwischen 1581 und 1595 den Arster Altar entfernt und seine Platte für die folgenden Jahrhunderte in den Fußboden verlegt. Möglicherweise im Jahr 1586, denn der Archivar Hermann Post vermerkt in seiner Chronik: „In diesem Jahr sind die päbstlichen altäre wovon noch hin und wieder unterschiedene in denen pfarrkirchen übrig geblieben, gantzlich weggethan.“(6). Man muß sich den Abbruch des Arster Altares übrigens nicht bilderstürmend-gewaltvoll vorstellen: Wahrscheinlicher ist, dass er stillschweigend, vielleicht bei einer Renovierung, entfernt wurde.

Im Jahre 1899 hat es eine große Renovierung der Arster Kirche gegeben, bei der die Altarplatte möglicherweise bearbeitet wurde. Sowohl die Kantenbearbeitung könnte aus dieser Zeit stammen, als auch die Beschädigung an der Rückseite des Steins, die so aussieht, als hätte man die Platte für die Verlegung im Fußboden (neu) eingepaßt.

Man sieht: Die Habenhauser Altarplatte hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich und trägt deutlich sichtbar, die Spuren der Geschichte und Veränderungen der Bremischen Kirche.

  1. 1936 liegt sie nach einer Mitteilung des Arster Dorfchronisten Otto Mahnken immer noch dort. Mahnken hält sie übrigens für einen ganz altertümlichen Grabstein.(S.77)

  2. O. Wenig, Rationalismus und Erweckungsbewegung in Bremen, S.25

  3. Christoph Pezel, ...Notwendige entschüldigung..., Staatsarchiv Bremen, 2 – T.1.c.2.b.2.c.3.a.4.f.

  4. Consensus bremensis, 1.b.e.2, bei: E.F.K. Müller, Bekenntnisschriften der reformierten Kirche

  5. ebd., 1.b.e.3

  6. vgl. Notwendige entschüldigung

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